
Ich wohnte in meinem ersten Jahr (freshman year, wie es die Amerikaner nennen) in einem Studentenwohnheim. Manzanita Hall war ein fünfzehnstöckiges Gebäude, in dem rund 1000 Studenten hausten. Ich wohnte im neunten Stock umgeben von Studenten und -innen aus allen Ecken der USA: von Kalifornien über Michigan bis New York. Und Alaska natürlich. Zwei Studenten wohnten in einem Zimmer, und zwei Zimmer (ergo vier Studenten) teilen sich Klo und Dusche. Mein kalifornischer Zimmergenosse und ich teilten uns das Badezimmer mit zwei Typen, die mehr in die späten Sechziger gepaßt hätten als in die Neunziger. Ihr Zimmer hätte gut in eine Hippie-Kommune gepaßt, und wir konnten es manchmal bis in unser Zimmer riechen, daß sie sich regelmäßig einrauchten.
Ich selbst blieb dem Bier treu, doch gab es damit auch so seine Probleme. Erstens ist in Arizona, wie in den meisten US-Bundesstaaten, die Altersbegrenzung für den Alkoholkonsum 21 Jahre. Und von uns war keiner alt genug, um Alkohol käuflich zu erstehen. Doch für dieses Problem gab es eine recht einfache Lösung: Wir gaben unser Geld einfach dem, der den besten gefälschten Führerschein hatte, und er ging dann für alle einkaufen. Nach seiner Rückkehr würde er dann Bier und Wechselgeld dem jeweiligen Besitzer geben.
Doch da war noch ein zweites Problem: Edle Tropfen wie Hirter, Wieselburger und Kapsreiter gab es in den USA nicht. Und gute Importbiere wie Beck's, Newcastle Brown Ale oder Foster's waren relativ teuer. Also kam ich schnell auf den Geschmack von Bud Light, aus dem Hause Anheuser-Busch in St.Louis, Minnesota. Es war billig, und es schmeckte gegenüber dem non-lighten Budweiser (auch unter dem Namen Buttwiper bekannt) besser. Der Grund dafür ist unbekannt und verschafft den Bierwissenschaftlern bis heute weiße Haare.
Ich freundete mich mit einigen Leuten auf meinem Stockwerk an, und wir hingen die meiste Zeit herum. Doch jedes Wochenende stellten wir uns
dieselbe Frage: Was tun wir nun? Unsere Möglichkeiten waren sehr begrenzt: Wir konnten nicht weggehen, da wir sowieso in keine Bars
gelassen werden würden, weil wir nicht 21 waren. Es blieb uns also nichts anderes übrig, als uns in dem Zimmer mit der lautesten Stereoanlage
zu versammeln (glücklicherweise war es nicht mein Zimmer) und den Kühlschrank mit Bier zu füllen. Und dann tranken und sangen
wir bis in die frühen Morgenstunden. Das taten wir zwei Jahre lang, bis wir endlich 21 wurden.
Carlo "Random" G. ist ein WILDHEARTS-Fan, Wirtschaftsstudent auf
der Arizona State University, Musiker, Möchtegernschriftsteller in der englischen Sprache, Biertrinker und sehr schlechter Sänger. Er benutzt
eine Ibanez Jem 7PBK und D'Addario XL-Saiten. Er findet es komisch, von sich selbst in der dritten Person zu sprechen. Er hat auch seine
eigene Homepage A Random Guide To Wasting Time.
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