[Der Random-Report] [Random]
Vor vier Jahren bin ich, der Verfasser dieser Zeilen, in die USA gezogen, um dort die Arizona State University zu besuchen. Hier will ich nun von einigen mehr oder weniger interessanten Dingen erzählen, die mir aufgefallen sind.

Nr. 1 - The One About Heat And Beer

Als ich am frühen Nachmittag in Tempe, Arizona, einem Vorort von Phoenix, ankam, erwartete mich schon die erste Überraschung: Als ich aus dem Flugzeug stieg, bemerkte ich, daß die Gangway ziemlich heiß war. Doch da ich sofort in die klimatisierte Empfangshalle flüchten konnte, machte ich mir keine weiteren Sorgen darum. Die Gangway stand ja nun mal den ganzen Tag in der Sonne. Was ich sah, gefiel mir sehr. Sky Harbor International Airport ist ein sehr schöner Flughafen: modern, sauber und mit einem gewissen wildwestlichen Flair. Und durch die Fenster sah ich einen makellos blauen Himmel und einige große Kakteen. Es war alles wunderbar, bis ich das klimatisierte Flughafengebäude verließ. Es hatte draußen um die 40 Grad, was im August in Arizona die Regel ist. Die Hitze war erdrückend. Man kann viel sagen über die Vorteile von trockener gegenüber feuchter Hitze, aber das änderte nichts daran, daß es extrem heiß war. Zum Glück haben die meisten Autos und Gebäude Klimaanlagen. Ich bewies übrigens meine Theorie, daß ich mit einem Fieberthermometer die Außentemperatur messen konnte.

Ich wohnte in meinem ersten Jahr (freshman year, wie es die Amerikaner nennen) in einem Studentenwohnheim. Manzanita Hall war ein fünfzehnstöckiges Gebäude, in dem rund 1000 Studenten hausten. Ich wohnte im neunten Stock umgeben von Studenten und -innen aus allen Ecken der USA: von Kalifornien über Michigan bis New York. Und Alaska natürlich. Zwei Studenten wohnten in einem Zimmer, und zwei Zimmer (ergo vier Studenten) teilen sich Klo und Dusche. Mein kalifornischer Zimmergenosse und ich teilten uns das Badezimmer mit zwei Typen, die mehr in die späten Sechziger gepaßt hätten als in die Neunziger. Ihr Zimmer hätte gut in eine Hippie-Kommune gepaßt, und wir konnten es manchmal bis in unser Zimmer riechen, daß sie sich regelmäßig einrauchten.

Ich selbst blieb dem Bier treu, doch gab es damit auch so seine Probleme. Erstens ist in Arizona, wie in den meisten US-Bundesstaaten, die Altersbegrenzung für den Alkoholkonsum 21 Jahre. Und von uns war keiner alt genug, um Alkohol käuflich zu erstehen. Doch für dieses Problem gab es eine recht einfache Lösung: Wir gaben unser Geld einfach dem, der den besten gefälschten Führerschein hatte, und er ging dann für alle einkaufen. Nach seiner Rückkehr würde er dann Bier und Wechselgeld dem jeweiligen Besitzer geben.

Doch da war noch ein zweites Problem: Edle Tropfen wie Hirter, Wieselburger und Kapsreiter gab es in den USA nicht. Und gute Importbiere wie Beck's, Newcastle Brown Ale oder Foster's waren relativ teuer. Also kam ich schnell auf den Geschmack von Bud Light, aus dem Hause Anheuser-Busch in St.Louis, Minnesota. Es war billig, und es schmeckte gegenüber dem non-lighten Budweiser (auch unter dem Namen Buttwiper bekannt) besser. Der Grund dafür ist unbekannt und verschafft den Bierwissenschaftlern bis heute weiße Haare.

Ich freundete mich mit einigen Leuten auf meinem Stockwerk an, und wir hingen die meiste Zeit herum. Doch jedes Wochenende stellten wir uns dieselbe Frage: Was tun wir nun? Unsere Möglichkeiten waren sehr begrenzt: Wir konnten nicht weggehen, da wir sowieso in keine Bars gelassen werden würden, weil wir nicht 21 waren. Es blieb uns also nichts anderes übrig, als uns in dem Zimmer mit der lautesten Stereoanlage zu versammeln (glücklicherweise war es nicht mein Zimmer) und den Kühlschrank mit Bier zu füllen. Und dann tranken und sangen wir bis in die frühen Morgenstunden. Das taten wir zwei Jahre lang, bis wir endlich 21 wurden.

Carlo "Random" G. ist ein WILDHEARTS-Fan, Wirtschaftsstudent auf der Arizona State University, Musiker, Möchtegernschriftsteller in der englischen Sprache, Biertrinker und sehr schlechter Sänger. Er benutzt eine Ibanez Jem 7PBK und D'Addario XL-Saiten. Er findet es komisch, von sich selbst in der dritten Person zu sprechen. Er hat auch seine eigene Homepage A Random Guide To Wasting Time.


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